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[Review] Fractal Design Define Nano S - Klein ist groß

Dieses Thema im Forum "Reviews: Hardware" wurde erstellt von DarknessFalls, 6 Sep. 2016.

By DarknessFalls on 6 Sep. 2016 um 13:17 Uhr
  1. DarknessFalls

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    #1 DarknessFalls, 6 Sep. 2016
    Zuletzt bearbeitet: 4 Okt. 2016
    Die schwedische Hardwareschmiede Fractal Design hat zwar inzwischen unter anderem auch hochwertige Netzteile oder Wasserkühler im Angebot, wird aber gemeinhin primär mit qualitativ überzeugenden Gehäusen in Verbindung gebracht. Insbesondere die höchst erfolgreiche Define-Serie, erst vor einigen Monaten in der fünften Revision bei uns im Review - und mit einem Gold-Award bedacht - dürfte jedem halbwegs informierten User sofort in Bezug auf die Schweden in den Sinn kommen.

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    Unlängst entschied sich Fractal Design, diese Gehäuselinie um ein weiteres Produkt zu erweitern und begibt sich so mit dem Define Nano S folgerichtig auf den Markt für potente Mini-ITX Systeme.

    Wir bedanken uns bei Fractal Design für die Bereitstellung unseres Pressesamples!


    Erster Eindruck:

    Das Fractal Design Define Nano S wird in einer stabilen, straff ausgepolsterten Kartonage geliefert. Bereits im Karton fällt das für kleine ITX-Gehäuse eher stattliche Gewicht auf, das Fractal Design mit 4600g beziffert. Diese 4,6kg verteilen sich auf die Maße von 203 x 330 x 400 mm (B x H x T), also ein vergleichsweise strammes Kampfgewicht.

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    Die Front ist - natürlich - wie beim Rest der Define-Familie gestaltet: Schlicht, glatt, in der Optik schwarzen, gebürsteten Metalls. Eines jedoch ist anders: Wo sich bei einem regulär großen Define-Modell die Schächte für optische Laufwerke oberhalb eines herausklickbaren Luftfilters hinter einer Tür verbergen, verbleibt beim geschrumpften Define-Sprössling lediglich der Luftfilter; allerdings ohne Tür. Die Front lässt sich mit sanfter Gewalt entfernen und gibt so den Weg zum Luftfilter vor dem vorne ab Werk verbauten, weißen 140er Lüfter frei. Alternativ lässt sich an dieser Stelle ein Pärchen 120er oder auch ein zusätlicher 140mm Lüfter verbauen. Optische Laufwerke bleiben tatsächlich draußen und müssen zum Beispiel via USB angesprochen werden. Zu verschmerzen ist dies natürlich, wenngleich bedauerlich.

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    Auf der Oberseite der Frontabdeckung befindet sich zentral der Powerbutton, der linksseitig von Mikrofon- und Kopfhörerbuchsen sowie dem Reset-Taster und auf der rechten Seite von zwei USB3.0 Buchsen eingerahmt wird. Leider nicht mehr an Bord ist die bisher stets bei Define-Gehäusen vorhandene Lüftersteuerung. Der User ist also abhängig von guter Abstimmung der verbauten Lüfter. Auf der Gehäuseoberseite stoßen wir auf etwas seit dem Define R5 bekanntes: Das Modutop. Hinter dem klangvollen Namen verbirgt sich ein wahlweise geschlossenes, gedämmtes oder ein nach einfachem Herausklicken eines Elementes offenes und wahlweise bis zu zwei 120er oder 140er Lüfter aufnehmendes Gehäuseoberteil für bessere Durchlüftung.

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    Die Rückseite des mattschwarzen Gehäuses bietet nichts abseits der Standardkost: Der unten liegende Montageplatz für das Netzteil, bei ITX-Systemen übliche zwei (wie bei Fractal Design üblich in weiß gehaltenen) Slotblenden, der Platz für die ATX-Blende sowie ein werksseitig montierter und in der höhe justierbarer 120mm Lüfter bieten hier wenig aufregendes.

    Die Seitenwände des Gehäuses sind mittels jeweils zweier Rändelschrauben montiert, die fest, aber nicht zu fest sitzen. Beide Seitenwände, sowohl die geschlossene rechte, als auch die optional auch mit großflächigem Fenster erhältliche linke geben sich verwindungssteif und völlig dröhnfrei.

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    Das Define Nano S steht auf satt gummierten Füßen in silberner HiFi-Komponenten-Optik, was dem sowieso schon edel und schlicht gehaltenem Äußeren einen hübschen kleinen Akzent verpasst - ganz unaufgeregt, eben einfach passend.

    Da die letzten Modelle der Define-Serie die größten Innovationen unter der Haube verbargen, sind wir natürlich begierig darauf zu erforschen, wie die Schweden von Fractal Design den naturgemäß geringeren Platz im Inneren des ITX-Gehäuses genutzt haben.


    Innenbetrachtung / Komponentenmontage:

    Nachdem wir beide der sorgfältig gedämmten Seitenwände entfernt haben, werfen wir einen Blick in das Innere des Define Nano S. Auf den ersten Blick fällt auf, dass das Mainboardtray wie schon beim Define R5 eine "Welle" schlägt. Konkret bedeutet das, dass Fractal Design den Bereich, in dem das Mainboard montiert wird, ein wenig versenkt platziert hat. Zwar büßt man auf diese Weise Raum hinter dem Mainboard ein, der ansonsten gerne für Kabelmanagement genutzt wird (es verbleiben knappe 20mm), schafft aber auf diese Weise gleichzeitig Luft für den CPU-Kühler, ohne beim Mini-ITX-Gehäuse zu sehr in die Breite gehen zu müssen: 160mm stehen für die Kühlerwahl zur Verfügung.

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    Weiter zur Front hin, dort, wo sich normalerweise die Laufwerkskäfige befinden, zieht Fractal Design das Mainboardtray weiter in den Innenraum und sorgt so für luftige 35mm Raum für Kabelmanagement auf der Rückseite. Zurück zu den Laufwerkskäfigen: Wir schrieben bereits "normalerweise" und in der Tat gibt es keine im Fractal Design Define Nano S. Aufgrund der geschlossenen Front fehlte bereits sowieso jeglicher Platz für 5 1/4-Zoll-Geräte und Festplatten oder SSDs werden anderweitig untergebracht, so dass dem wichtigen Airflow im kleinen Gehäuse nichts im Wege steht.

    Zwei 2.5''-Geräte können auf der Rückseite des Mainboards montiert werden, eine weitere 3.5''-Platte (alternativ auch eine 2.5'') vorne in Richtung der Front. Auch auf der Komponentenseite ist auf dem Boden Platz für einen Festplattenträger vorgesehen, der optional verbaut werden kann und eine weitere 3.5''-Platte aufnimmt. Hier ist, falls notwendig auch ein 120er Lüfter montierbar. Doch nicht nur das: An eben dieser Stelle befinden sich bereits Bohrungen, um eine Wasserpumpe sowie das Reservoir einer Wasserkühlung verbauen zu können - etwas, was man selbst in den wenigsten ATX-Gehäusen vorfindet. Folgerichtig gibt es auch vorgesehenen Raum für Radiatoren - ein 240er Radiator findet seinen Platz im Gehäusedeckel, ein 280er in der um sämtliche Laufwerkskäfige erleichterten Front.

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    Zurück zur Rückseite des Mainboardtrays und der dortigen Platzverhältnisse: Gepflegtes Kabelmanagement ist problemlos möglich, zumal Fractal Design mit Klettbändern und beiliegenden Kabelbindern tatkräftig und sinnvoll unterstützt. Selbst die Kabel von leistungsstarken Netzteilen ohne Kabelmanagement sollten durch gummiverkleidete Durchführungen im Mainboardtray ohne Probleme sicher verstaut hinter selbigem verschwinden können.

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    Der Einbau unserer Komponenten verläuft wie nicht anders von Fractal-Design-Gehäusen gewohnt völlig problemlos. Sowohl das SuperFlower Atlas mit seinen starren Kabelmanagementanschlüssen, als auch unsere 300mm lange Radeon HD3870 X2 finden problemlos Platz - in Bezug auf die Grafikkarte kein Wunder, schließlich lautet schon die konservativ veranschlagte Werksangabe auf 315mm! Beim Netzteil wiederum ergeben sich, wenngleich unser SuperFlower-Netzteil passt, dennoch kleine Einschränkungen: Fractal Design platziert die Kabeldurchführung für das Netzteil relativ nah zur hinteren Gehäusewand, so dass wir die Kabel zunächst wieder ein Stück zurückführen müssen, bevor wir sie schließlich hinter dem Mainboardtray verschwinden lassen können. Werden nun extrem leistungsstarke und damit zumeist sehr lange Netzteile eingebaut, kann es unter Umständen dazu führen, dass die dafür vorgesehene Kabeldurchführung nicht mehr genutzt werden kann.

    Die Lüfter befeuern wir in Ermangelung einer Lüftersteuerung im Define Nano S über unser Mini-ITX-Mainboard. Nützlich hierbei: Fractal Design liefert einen Y-Anschluss für dreipolige Lüfter mit, über den wir den einzigen auf unserem Board vorhandenen Lüfteranschluss ansprechen. Im Betrieb arbeiten die serienmässigen Lüfter des Fractal Design Define Nano S unaufgeregt, wenngleich nicht ganz geräuschlos. Sie lassen sich mit ein wenig Getüftel im UEFI unseres Boards zwar wirksam herunterregeln, eine von außen bedienbare Lüftersteuerung wie bei den großen Geschwistern des Nano S wäre uns doch lieber gewesen. Die Geräuschdämmung des Gehäuses hingegen erweist sich als durchaus wirkungsvoll: Selbst unsere gerne krawallig auftretende HD3870 X2 wird auf ein erträgliches Niveau heruntergedämmt.

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    Ein Wort noch zur Grafikkarte: Unsere betagte HD3870 X2 ist mit einem zwei Slots belegenden DHE-Kühler ausgestattet, der kühle Luft am Ende der Grafikkarte ansaugt und in erwärmter Form direkt aus dem Gehäuse befördert. Wir würden für die Verwendung im Nano S eine solche Grafikkarte empfehlen wollen, denn der Platz zwischen einer Grafikkarte mit Zwei-Slot-Kühllösung und dem Netzteil ist arg bedrängt und könnte zu einem Hitzestau bei Kühlern mit Axiallüftung führen. Kühllösungen die über zwei Slots hinausgehen werden keinerlei Platz finden.


    Abschließende Gedanken:


    Die Gehäuse der schwedischen Hardwareschmiede Fractal Design verließen unsere Redaktion noch nie ohne einen Award - und auch das Define Nano S soll hier keine Ausnahme machen. Doch betrachten wir die in unserem téte-à-téte gewonnenen Erkenntnisse der Reihe nach:

    Fractal Design ist es gelungen, ein Gehäuse für das zunehmend gefragte Mini-ITX-Format am Markt zu platzieren, das bei sehr kleinen Außenmaßen viel Raum im Inneren bietet. Trotz zunehmender Beliebtheit des kleinen Boardmaßes blieb Usern mit potenter Hardware in der Regel häufig nur der Griff zu mATX- oder ATX-Gehäusen, um vernünftige Kühlung gewährleisten zu können. Dieser Problematik versuchten sich verschiedene Gehäusehersteller in jüngerer Vergangenheit vermehrt anzunehmen, was in Gehäusen wie dem gelungenen MS-Tech Crow Q1/B mündete. Nun also Fractal Design. Was aber kann das Define Nano S besser als andere Mini-ITX-Gehäuse?

    Im ersten Moment besticht das Nano S zweifelsohne durch die gelungene äußere Darstellung; ein wenig, als hätte man das beliebte Define R5 geschrumpft, dabei aber die Proportionen erhalten. Hierdurch erhält das Nano S eine sehr erwachsene, hochwertige Optik, die Mini-ITX-Gehäusen oftmals abgeht. Aber viel wichtiger sind die inneren Werte.

    Wo normalerweise klaustrophobische Enge herrscht, gelingt es Fractal Design - nicht ganz ohne Kompromisse - regelrecht großzügigen Raum zu schaffen. Überlange Grafikkarten und ausladende CPU-Kühler? Kein Problem. Kabelmanagement? Reichlich Platz und Verlegehilfen vorhanden. Gehäusedämmung? Gibt es optional zum Fenster obendrauf. Wasserkühlung? Ausdrücklich erwünscht und vorgesehen!

    Also, was sind die Kritikpunkte? Diese finden sich im Detail und teilweise in den Kompromissen, die eingegangen werden mussten. So lässt Fractal Design zum Raumgewinn jegliche Montagemöglichkeit für optische Laufwerke fallen. Das ist in heutiger Zeit zwar kein Beinbruch mehr, aber dennoch gewöhnungsbedürftig. Die USB3.0-Ports in der Front sind eben solche und nicht alternativ an USB2.0-Header anschließbar. Eine Lüftersteuerung wie bei den größeren Define-Modellen sucht man vergebens. Und zuletzt: Zwar ist Raum für große, starke Netzteile - allerdings wird es dann schwer bis unmöglich, die Kabel des Netzteils durch die dafür vorgesehene Öffnung hinter das Mainboardtray zu legen.

    Das Define Nano S kommt trotz dieser Kritikpunkte und Kompromisse erwachsen und gereift daher, ein wohl durchdachtes, schlüssiges Konzept, das für User im Bereich der Micro-ITX-Hardware zwar keine Tore zu neuen Welten aufstößt, aber die bekannten Grenzen etwas weiter ausdehnt. Ausgezeichnet verarbeitet, in edlem, schlichten Design gehalten und mit cleveren Detaillösungen versehen nimmt auch das Nano S einen Award mit aus unserer Redaktion - und nicht gleich irgend einen, nein, unser Gold-Award soll es sein.

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    Fazit:

    Das Fractal Design Define Nano S ist ein hochwertiges, hervorragend verarbeitetes Mini-ITX-Gehäuse, das trotz geringer äußerer Größe erstaunlich viel Raum im Inneren bietet. Durch gelungenes Design im Innenraum generieren die Gehäusespezialisten aus Schweden Platz für überlange Grafikkarten, große Tower-Kühler und sogar vollwertige Wasserkühlungen - und das, ohne das Gehäuse von seiner Größe her äußerlich unnötig aufzublasen. Dass das Define Nano S unseren Gold-Award mit nach hause nimmt, ist nur folgerichtig und als explizite Kaufempfehlung in dieser Gehäuseklasse zu sehen!

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    Das Fractal Design Define Nano S ist in der schallgedämmten Version ab 56 Euro im Handel erhältlich.
     

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